Montag, 5. August 2013

Kampf der Elfen von Daisy - Teil 4

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4. Kapitel ~Samiel~


Ihre Lippen fühlten sich eiskalt auf seinen an, dennoch wich er nicht zurück. Zögernd legte er seine Hand in ihren Nacken und zog sie enger zu sich heran. Fordernd öffnete sie ihren Mund und verlangte Einlass.
Ein Zittern durchlief seinen Körper. Er spürte, wie er die Kontrolle verlor und schob sie unsanft von sich. Ihr Atem war beschleunigt und er konnte trotz der Dunkelheit ihre geröteten Wangen sehen. Mit großen Augen starrte sie ihn an und er hatte das Gefühl, dass er ihr die Sprache genommen hatte. Er konnte sich gerade noch daran hindern, leise zu lachen, nahm sie an die Hand und zog sie vom Waldboden hoch.
„Kommst du mit mir, Fabienne?“, flüsterte Samiel mit Bedacht den Wald nicht zu erzürnen. Er verfolgte jede ihrer Bewegungen und die Stunden der Finsternis waren längst angebrochen. Mit diesen Stunden war auch das Böse, die Gefahr über den Wald herein gebrochen und wäre Fabienne nun allein unterwegs, hätte sie die Nacht mit Sicherheit nicht überlebt.
Er konnte die Bäume flüstern hören, als er sich nun auf den Weg zu ihrem Heim und Heiligtum, dem König der Bäume begab. Fabienne zog er mehr schlecht als recht hinter sich her und machte sich von Sekunde zu Sekunde mehr um sie Sorgen.
Bisher hatte sie keinen einzigen Ton von sich gegeben und schien nicht ganz bei sich zu sein. Lag es an ihm und seinen Kuss, oder gab es einen anderen Grund für ihr Schweigen?
„Fabienne?“, fragte er, als sie den Baum erreichten. „Ist alles in Ordnung mit dir?“
Nach einigen Sekunden Schweigens erhob sie ihren Kopf und sah ihn mit einem merkwürdigen Ausdruck in den Augen an. Dann nickte sie vorsichtig und wandte den Blick wieder ab.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, brachte Samiel sie durch die engen Korridore des Baumes zu ihrem Gemach. Er wünschte ihr eine gute Nacht und ohne auf ihre Antwort zu warten, wandte er sich um und lief den Gang zurück. Bevor er den Trakt vollends verließ, wandte er sich noch einmal um. Fabienne stand noch immer vor ihrer Tür, hatte ihm den Rücken zugewandt und den Kopf gegen die Tür gelehnt. Er konnte ihre Schultern beben sehen, den Körper zittern und erst nach Sekunden des Ausharrens begriff er: Sie weinte. Und das hemmungslos.
Einen Moment wünschte er sich, sie in den Arm nehmen zu dürfen und sie zu trösten. Doch er wandte sich ab, verzog das Gesicht zu einer grimmigen Miene und konnte nur eines denken: Das darfst du nicht. Lass es nicht zu.
Er vergrub das Gesicht in den Händen, wippte den Kopf hin und her, bis er sich schließlich dazu aufraffte weiter zu gehen.
Gedankenverloren folgte er den langen, gewundenen Gängen; stieg Treppen hinauf, doch nie eine hinunter. Schließlich hatte die Baumkrone erreicht. Von hier würde es nicht mehr weiter nach oben gehen, denn die Äste wurde zu dünn, um sie länger zu durchwandern.
Müde von der langen Nacht stützte er sich mit miteinander gekreuzten Armen an den Rand der Fensteröffnung, die sich im gegenüber befand.
Der Ausblick war atemberaubend: Man konnte den ganzen Wald überblicken, der sich wie Milliarden Stecknadelköpfe unter dem König aller Bäume erstreckte. Wenn man seinen Blick nur ein Stückchen nach rechts schweifen ließ entdeckte man das große Meer, das noch keiner von ihnen überquert hatte. Niemand wusste was sich hinter diesem rauen und unberechenbaren Ozean verbarg und als kleines Kind hatte ihn oft die Abenteuerlust gepackt. „Mutter, wenn ich groß bin, dann nehme ich ein Schiff und besegele das große Meer! Ich werde ins Blaue fahren und wenn ich wieder heimkomme bin ich ein weiser Mann. Als einziger werde ich wissen, was sich dort draußen befindet, hinter unserem Reich.“
Aus diesem Versprechen, das er sich selbst gegeben hatte war nie etwas geworden, obwohl er noch heute nicht davon abgeneigt war, es zu probieren. Aber er hatte Verpflichtungen als zukünftiger König, die ihn zwangen im Königreich zu bleiben.
Während Samiel noch von der großen Reise über das Meer träumte, wurde der Himmel erst in ein zaghaftes und düsteres grau getaucht und verwandelte sich dann immer schneller in ein blaues, vom Morgen gezeichnetes Dach. Weiche Wolken zogen über den Himmel und er wünschte sich wie nie zuvor jetzt auf einem Schiff zu stehen, die Sonne im Nacken, ein geheimnisvolles Land in Sicht.
Und ein Mädchen war an seiner Seite, dessen kastanienbraunes Haar im Wind hin und her gepustet wurde. Ein Mädchen, dessen zierliche Körper an seinen gepresst war und dessen Gesicht sich an seine Brust schmiegte.
Samiel schreckte aus seinen Träumereien auf, als die große Tür, die zu den Gemächern der königlichen Familie führte, ins Schloss fiel. Einige Sekunden später stand eine Gestalt in einem pastellfarbenen Nachtkleid und blickte in die Ferne des Reiches.
„Guten Morgen, meine Schöne.“, begrüßte Samiel sie und spannte sich automatisch an. „Samiel, mein Prinz.“ Sie nickte und ein leichtes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.
„Habt ihr gut geschlafen? Wie ich sehe, seid ihr schon zu früher Stunde wach und das vollständig gekleidet.“
„Ich habe überhaupt nicht geschlafen, Maira. Ich war die ganze Nacht wach, aber ich hoffe doch, ihr habt euren Schlaf gefunden.“
„Aber ihr müsst euch ausruhen! Ihr solltet jederzeit genug Energie in euch tragen, Liebster. Ihr wisst doch, dass ihr bereit sein müsst.“
„Wofür bereit, Maira? Für unsere baldige Hochzeit?“
„Natürlich. Ich sprach jedoch vom Krieg.“
Samiel schwieg und verschränkte die Hände hinter dem Rücken.
„Ihr wisst, dass viele es für möglich halten, dass Myron uns bald angreift, mein Prinz.“
Er nickte steif und wandte sich vom Fenster ab. Er hatte Maira kein einziges mal geküsst, geschweige denn mit ihr eine Nacht verbracht. Selbst wenn es ihm erlaubt gewesen wäre, hätte er es nicht getan. Mit einer Elfe vor der Hochzeit mehr als nur höflichen Kontakt zu haben, war dem Prinzen strengstens verboten.
Den Kuss, den er heute mit Fabienne hatte, fiel nicht darunter. Zum Einen war sie ein Mensch und zum Anderen galt diese Regel nur für die Verlobte. Ihm war es also erlaubt, seinen Spaß mit allen Elfen des Königreichs zu haben, aber nicht mit Maira. Nicht, dass er eines von Beiden gewollt hätte.
Dennoch würde er Maira schon bald heiraten müssen, denn der König hatte sie als die Passende erwählt und Samiel wollte nur das Beste für das Königreich; für sein Königreich. Und wenn es Maira war, dann sollte es so sein, auch wenn er sich dagegen sträubte, mit ihr mehr als nur höflichen Kontakt zu haben. Allein sie küssen zu müssen, war ein Gedanke, der ihm einen Schauder über den Rücken jagte.
Dabei war sie eine wirklich schöne Elfe. Nicht dass es überhaupt hässliche gab, aber sie gehörte zu den Schönsten. Ihre schwarzen Haare trug sie in einer Hochsteckfrisur am Kopf und ihr kurvige Figur betonte sie mit teuren Kleidern, die ihr durch die Verlobung zustanden. Ihr Gesicht war mit Ernst gespickt, aber sie wirkte nicht unhöflich oder kalt. Nur erwachsen war sie. Sie dachte wie eine echte Elfe des Königshauses denken sollte und das war für die Entscheidung des Königs ausschlaggebend gewesen.
„Sie ist schlau, mein Sohn und sie ist begabt. In allen Bereichen.“, hatte er zu ihm gesagt, als er Samiels düsteren Blick gesehen hatte. „Außerdem ist sie eine wahre Schönheit. Eure Kinder, die Kinder des Königshauses werden das Gute von euch beiden erben und potenziellen Partnern den Kopf rauben. Das alles ist wichtig, mein Sohn. Du solltest die Wichtigkeit des Königreiches nicht vergessen; stelle deine Wünsche nicht über es stellen.“
Sein Vater war ein weiser Elf, aber auch ein sturer. Dennoch konnte Samiel ihn verstehen, denn auch er wollte nur das Beste für sein Reich, für sein Volk.
Samiel konnte spüren wie sich heiße und unbarmherzige Tränen in seinen Augen bildeten, ohne den Grund für diese zu kennen. Trotzig wie ein kleines Kind wischte er sich die erste von der Wange und drehte sich wieder zu Maira um, die ihn besorgt musterte.
Verdammt, dachte er, ich brauche unbedingt Ablenkung.
„Ich verabschiede mich für heute von euch, Maira. Wir sehen uns sicherlich in naher Zukunft.“
Damit wandte er sich ab und lief die langen Treppen und Gänge hinunter, bis er längst in den unteren Stockwerken angelangt war, dort wo kein Tageslicht mehr zu erblicken war. In den Wurzeln. Hier unten befanden sich viele Dinge, von denen die meisten Elfen nichts ahnten. Ganz weit in die Wurzeln hinein, es war eine wahre Labyrinthswanderung um dort hin zu gelangen, befanden sich die Prophezeiungen, die ihnen die Götter geschickt hatten. Bilder an den Wänden, die eine Elfe Tag und Nacht bewachte. Zu dieser Elfe wollte Samiel nun, um sich endlich Ablenkung zu verschaffen.
Er folgte den verschlungen Gängen ohne auch nur zu überlegen, wo er als nächstes abbiegen musste. Er hatte den Weg schon verinnerlicht, sooft war er ihn gegangen. Die magischen Lichter warfen lange Schatten durch die Wurzeln, machten das Laufen aber doch um einiges erschwinglicher als man dachte. Ohne Licht durch die Wurzeln zu gehen, war der blanke Horror, selbst für einen Elfen.
Man sah die Hände vor den Augen nicht mehr und bis man irgendwo ankam waren Stunde vergangen.
Samiel war an seinem Ziel angekommen, drückte die Holztür auf, die in die zusammengepresste Erde eingelassen war und wurde von warmen Kerzenschein begrüßt.
Am Tisch, eine Kristallkugel vor sich auf dem Tisch, saß Senna, die Elfe mit den roten Haaren, die immer in orientalische Stoffe und Kleider gehüllt war und ein feines Tuch auf dem Kopf trug, dessen Saum von kleinen, klimpernden Münzen geschmückt wurde.
„Samiel, schön dich zu sehen. Aber momentan gibt es keine neuen Prophezeiungen, von denen ich dir erzählen könnte. Deine Aura sagt mir, dass du auch gar nicht aus diesem Grund hier bist.“ Sie zwinkerte.
„Nein. Senna, versprichst du mir, dass nichts diesen Raum verlassen wird?“
„Natürlich. Das verspreche ich jedem, der mit seinem... Anliegen zu mir kommt.“
Sie erhob sich vom Stuhl und kam mit langsamen Schritten auf Samiel zu. „Irgendwelche besonderen Wünsche?“, fragte sie, während ihn der erste Kuss ihrer vollen Lippen traf. Unfähig etwas zu sagen schüttelte er den Kopf. Bis ich sie heirate, kann ich das noch tun, dachte er und schmiegte sich enger an Senna.
Ihre kräftigen Hände wanderten von seinen Haaren den Körper hinunter, streichelten seinen Rücken unter den Kleidern; wanderten zu seiner Brust; zogen ihm seine Oberteil über den Kopf. Sie drängte sich enger an ihn und Samiel stieß einen wohligen Seufzer aus. Das war das, was er gebraucht hatte.
Sie bedeckte seinen ganzen Körper mit Küssen, knabberte an seinem Ohrläppchen und zog ihn dann auf den Berg von Kissen und Stoffe, den sie als Bett nutzte.
Ohne zu wissen, wie es geschehen war, lagen wenige Sekunden später ihre Kleider im Raum verteilt und das Spiel ihrer Küsse ging weiter, bis Samiel sich schließlich mit einem wohligen Seufzer an sie schmiegte.
„Danke.“
Es war nicht etwa die sexuelle Lust, die Samiel zu Senna getrieben hatte, sondern ihre Fähigkeit. Sie war eine Gesegnete des Feuers und durch ihre Gabe der Prophezeiungen hatte sie auch die Fähigkeit erhalten, Ordnung in das Chaos der Gedanken zu bringen. Sie schlief nicht mit ihren „Kunden“. Sie verschaffte ihnen nur mit ihren Küssen Klarheit.



Wenige Minuten später begab sich Samiel auf den Weg zum Frühstück. Auf dem Weg nach unten empfand er die Leere in seinem Kopf als Wohltat. Die Gedanken an seine Hochzeit hatte er nur noch im Hinterkopf und es gab nur noch ein Problem, über das er beim Essen grübelte.
Er musste dafür sorgen, dass Fabienne keinen weiteren Fluchtversuch unternahm. Sie musste hierbleiben, das hatte sein Vater befohlen. Er wusste zwar nicht wieso sie bleiben musste, aber er gehorchte den Befehlen seines Vaters.
Aber wie konnte er sie hier behalten? Was würde sie dazu bringen, nicht mehr nach Hause zu wollen..?
Es schoss ihm wie ein Blitz durch den Kopf:
„Ich muss sie nur ein bisschen verführen...“ und den Grundstein hatte er sich schon selbst gelegt.



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