Donnerstag, 19. September 2013

Converter von Jack - Teil 10

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Kapitel 14

Florence wurde geweckt vom süßlichen Geruch eines Pilzragouts. Hank hatte einen Topf über das Feuer gehängt und rührte mit einem hölzernen Löffel in der bratenden Speise. „Guten Morgen.“, lächelte Hank. „Gut geschlafen?“, „Wie ein Stein.“, antwortete Florence und setzte sich neben Hank. Die Feuchte Morgenluft war kühl und Nebelschwaden waberten durch den saftig grün leuchtenden Wald. Die sonne begann, den Boden aufzuwärmen und fiel in graugelblichen Strahlen auf die Erde. Trotzdem fror Florence und sie setzte sich näher ans Feuer. Es knisterte und glomm in einem schönen Orange. Aber auch ein bedrohliches Rot mischte sich hinein. Andrew hatte immer erzählt, als Frieden waren, haben die Rédniz Myts zum Herbstanfang ein riesiges Feuer angezündet und mit ihren Fähigkeiten wundersame gestalten in allen Farben des Regenbogens durch die Flammen laufen lassen. „Ach, Andrew“, flüsterte sie. Florence spürte, wie Hank ihr einen scharfen Blick zuwarf. Sie schämte sich so sehr, das sie sich nicht traute, ihn anzublicken. Ihre anfänglichen Gefühle zu ihm waren zu Bewunderung geworden. Sie bewunderte seine Klugheit, seinen Mut und seine Stärke ihm Kampf. Er war selbstlos und nicht immer zu ernst. Aber Andrew Liebte sie. Das war der entscheidende Unterschied. Als Hank fertig mit dem frühstück war, goss er die leicht braune masse in eine Schale und reichte sie Florence. Dampf stieg von ihr auf und Florence musste unweigerlich niesen. Es war ein Gewaltiger laut. Irgendwo in der Ferne flatterten Vögel auf. „Was war das denn?“, fragte Hank irritiert. „Liegt in der Familie“, rechtfertigte sich Florence.

Die beiden setzten ihre reise fort. Die Bäume wurden größer und dunkler und die Sonne wurde immer weiter zurückgedrängt. „So war es in Tyts aber nicht.“, bemerkte Florence, der die Bedrückende Dunkelheit Angst machte. „Vielleicht lichtet sich der Wald noch.“, vermutete Hank. Aber er tat es nicht. Er wurde sogar noch tiefer. Der Abstand zwischen den Bäumen Schmolz und Florence und Hank hatten Probleme, nicht von irgendwelchen herunterhängenden Ästen gepeitscht zu werden. Nach langer Zeit blieb Florence stehen. „Es ist Abend.“, erklärte sie Hank. Der legte den Kopf schief und legte die Stirn ungläubig in Falten. „woher willst du das wissen? Hier scheint kaum Sonne. „Mein Magen hat gerade geknurrt. Das ist...“, sie machte eine theatralische Geste. „...Ein untrügliches Zeichen, mein Lieber.“ Hank lachte. Trotz der Dunkelheit zog Hank es vor, kein Feuer zu entzünden, da er befürchtete, die Bäume könnten Feuer fangen. Also wickelten sie sich nur in ihre Decken. Aufgrund der daraus resultierenden Kälte war es schwer einzuschlafen, doch dann wurden die Geräusche der Lebewesen des Waldes doch immer schwächer. Sie träumte, wie die Tage davor auch, von einer kleinen, goldenen Kugel, doch heute erwachte sie Früher als sonst. Sie drehte sich zur Seite, um zu sehen, ob Hank noch schlief, aber er war nicht da. Panisch stand sie Auf. Wo war Hank? Sie durchwühlte seine decken, sah sich um und verließ sogar einige Schritte das Lager. Aber er war nicht da. „HANK!“ schrie sie. „Hank!“, aber er antwortete ihr nicht. Was sollte sie tun? Ihr fiel nichts ein. Schließlich setzte sie sich einfach hin. Und wartete. Bis der Morgen anbrach. Aber er kam nicht. Auch, als wieder die Sonne hinter dem Horizont verschwand, kam er nicht wieder. „HANK!“, schrie sie immer wieder. Niemand antwortete. Niemand kam. Florence brach in tränen aus. Warum kam er nicht? War er verletzt? War er gegangen, war er freiwillig gegangen? Aber warum sollte er? Sie sah auf. Die Bäume standen so dicht. Wo war Norden? Wo Süden? Ohne Hank war sie verloren. Und die Bäume standen so dicht, das sie nichts sehen konnte. In einem goldenen Ton leuchtete die Sonne durch den Wald. Sonne? War sie nicht untergegangen? Sie kniff die Augen zusammen und blickte tiefer in den Wald hinein. Es war keine Sonne. Was dann? Trotz ihrer Angst fror sie kaum. Warum? Was war das für ein Licht? Es kam auf sie zu. Es bewegte sich sehr schnell. Zu schnell. Sie ging doch kaum. Sehr langsam, Fuß vor Fuß setzend ging sie darauf zu. Es schimmerte. Es strahlte. Kleine leuchtende Flimmer flogen durch die Luft. Plötzlich wusste sie, was das für ein Licht war. Sie drehte sich um, so schnell sie konnte, wusste nicht, wohin, nur, wohin nicht. Das, was sie gesehen hatte- Feuer. Es brannte hinter ihr, so unglaublich heiß. Ausgerechnet jetzt. Sie war alleine. Hank war fort. Und dann brannte auch noch der Wald. Sie rannte und rannte. Immer weg vom Feuer. Der Nebel betäubte ihre Sinne. Sie musste weg. So schnell, wie sie konnte. Weg! Einfach nur weg!

Florence spürte, wie die Flammen näher kamen. Sie hatte sich das Feuer nicht so vorgestellt. Es war schrecklich heiß und fraß sich mit einer solchen Geschwindigkeit durch den Wald, das es Florence bald schon eingeholt hatte. Von Zeit zu Zeit hörte sie, wie einige Vögel aufflatterten, um dem Feuer zu entkommen. Funken sprühten an ihr vorbei und ihr Réssyw myts Instinkt schrie jede Sekunde laut auf, in der das Feuer näher kam. Ein Fluss wäre die Rettung gewesen, aber es kam keiner. Die dichten Bäume versperrten Florence den Weg und das Feuer mit ihren Kräften zu löschen wäre töricht, denn so ein gewaltiges Feuer war nicht zu bremsen, schon gar nicht, bei so trockenem Boden. Die brennenden Blätter knisterten, die Hölzer zischten, die Flammen loderten, lauter, als Florence Schritte. Sie schrie, wonach wusste sie nicht. Florence wollte weg, doch wohin? Das Feuer kam von überall, der Wind drehte sich häufig, sodass Florence die Richtung ändern musste, wenn eine Böe die Flammen in eine andere Richtung trug. Wo war Hank? Hatte er fliehen können? Und wer war überhaupt für das Feuer verantwortlich? Florence interessierte es gar nicht. Sie musste jetzt weg. Schnell. Oder sie würde verbrennen. Funken schlugen auf sie über, verbrannten ihre Haut und sie musste im laufen Wasser aus den Blättern und dem Boden ziehen, um die brennenden Haare zu löschen. Es roch nach Mandeln und Holz. Immer mehr Flammen züngelten an ihr hoch. Sie versengten ihre Kleidung, drangen in ihre Haut ein. Florence schrie vor Schmerzen. Dann weinte sie. Es war vorbei. Sie hatte verloren. Das Feuer war schneller. Nichts gab ihr Hoffnung. Tyts hatte sie nicht entdeckt. Ihre Mutter erkannte sie nicht mehr. Die Wandler griffen ihre Heimat an. Hank war fort, Andrew war nicht aufzufinden. Will hatte sie verraten, wem konnte sie noch trauen? Sie würde ohnehin irgendwann sterben. Warum nicht jetzt dem Leben ein Ende machen? Sie blieb stehen, ließ sich von den Flammen einhüllen. Sie unterdrückte den Schmerz. Sie spürte das heiße Feuer auf ihrer Haut. Die sengende Hitze, die ihr Tränen in die Augen laufen ließ. Der Tod rückte immer näher. Sie kniete sich hin. Sah, wie ihr Körper brannte. Ihre Haut schmolz wie flüssiges Wachs. Nichts spürte sie. Ihre Sinne waren betäubt. Sie konnte nur hoffen, dass es bald zu Ende sein würde. Was gab ihrem Leben Sinn? Nichts. Sie schrie noch einmal auf, dann schloss sie die Augen. Wie eine menschliche Fackel, auf dem Boden zusammengekrümmt, lag sie da und wartete auf das Ende. „Andrew, es tut mir leid.“, flüsterte sie „Lebe wohl, Hank“. Alle Erwartungen der Chetessen in sie waren vergebens gewesen. Die Hoffnung war umsonst gewesen, die Quelle versiegte. Alles war vorbei. So fühlt es sich also an, zu sterben, dachte Florence und blieb auf dem Boden liegen. Trotz der höllischen Schmerzen wusste sie, es würde bald vorbei sein. Hoffentlich. Das Ende der Welt stand bevor und sie, erbärmliches Wesen würde verbrennen, weil sie zu feige war, bis zum Schluss durchzuhalten? War sie wirklich so feige? Ja. Das war sie. Dann wurde Florence schwarz vor Augen, ohne zu wissen, ob sie jemals wieder erwachen würde.
Vielleicht. Vielleicht auch niemals mehr.

Kühles Wasser schreckte sie auf. Es sprudelte sanft über ihre verbrannte haut, trotzdem brannte es. Durch die Flammen konnte Florence eine gestalt sehen, die sich todesmutig durch die Flammen schlug. Die gestalt hatte sich eine nasse Decke über den Rücken gelegt und kam damit auf Florence zu. In der Hand hielt er eine Wasserkugel, die er auf sie schleuderte. Es war Hank. Florence Lippen waren aufgeplatzt und ihre Kehle war trocken. Die unglaublichen Schmerzen schossen ihr plötzlich durch jede einzelne Zelle ihres Körpers und sie wollte schreien, doch sie brachte nur ein kehliges gurgeln zustande. Hank erreichte sie und schleuderte mit Wasser um sich das er von irgendwo herholte. Schweißperlen standen ihm auf der Stirn. An einigen stellen stieg heißer dampf auf, einige stellen konnte Hank nicht löschen. Er umfasste sie an der Taille und in den Kniekehlen und hob sie vom Boden auf. Er hatte seine Hände fest aufeinander gepresst und murmelte ein Mantra, in ständiger Wiederholung. Dann formte er wieder eine Kugel und schleuderte sie auf die Flammen. Doch diesen konnte das nichts anhaben. Er formte noch weitere Kugeln und warf sie in die Flammen, doch Hank kam nur sehr langsam voran, denn wo er eben ein Feuer gelöscht hatte, konnte sofort ein heißer Funke das trockene holz zum auflodern bringen. Er schrie wieder und schleuderte Wasser in die Flammen. Dann kam eine Weile nichts von ihm. Florence sah auf Hanks Hände herab. Sie zitterten vor Anstrengung und Brandblasen traten hervor. Er ballte die Fäuste und biss die Zähne zusammen. Dann legte er die Handflächen hochkant und spreizte die Finger. Zwischen ihnen schimmerte es plötzlich Blau und diese Farbe glitt, in kreisenden Bewegungen auf die Mitte der Hand zu. Dort schoss plötzlich ein Grashalmbreiter Wasserstrahl heraus. Er wurde breiter und breiter, bis der Strahl in etwa die Größe eines Tellers erreicht hatte. Mithilfe dieser Wasserwerfer bahnte er sich einen Weg durch das Feuer. Trotzdem war die Hitze unerträglich und die Aufgeheizte Luft flimmerte. Als sie einige Meter geschafft hatten, viel ein brennender Kohlrabenschwarzer Baum um und hätte die beiden Fast erschlagen. Hank konnte Florence im letzten Moment von sich fort schleudern. Der Baum sauste zwischen die beiden und für einen Moment verlor Florence ihren Retter aus dem Blick. Mit aller kraft richtete sie sich auf und wankte auf den Baum zu. Sie wollte seinen Namen rufen, doch sie konnte nicht mehr. Das aufrichten hatte ihr viel Kraft gekostet und sie konnte kaum laufen. Sie stützte sich am verbrannten Boden ab und krabbelte zum Baum. Sie zog sich an einem Ast hoch, der gerade nicht brannte. Hank lag flach und ausgestreckt auf der anderen Seite. Er hatte die Augen vor Anstrengung und Schmerzen zusammengekniffen. Der Baum lag auf seinem rechten Fuß und zerquetschte ihn. Florence versuchte mit der Energie, die ihr geblieben war, den Baum wegzuziehen, doch er war mindestens 30 Zentimeter dick, all ihre Anstrengungen waren vergebens. „Florence!“, rief Hank. „Hörst du mich?“ sie nickte. „Der Baum ist zu schwer, du kannst ihn nicht wegschieben, ich auch nicht. Geh immer Richtung Osten. Versuch, so schnell zu laufen wie du kannst und dräng die Flüssigkeit deines Körpers nach außen, um dich zu kühlen. Aber Nicht zu viel!“, riet er ihr. „Am Waldrand steht eine alte Frau, bring sie zu mir.“, Florence nickte, obwohl sie nicht wusste, ob sie es bis zum Waldrand schaffen würde. Sie zog ein wenig ihrer Körperflüssigkeit nach außen, gerade so viel, wie sie konnte. Dann rannte sie. Ihre Beine waren weich wie Gummi und sie viel häufig hin. Immer der Richtung folgend, in die Hank gezeigt hatte. Wieder hörte sie ein unheilvolles Knarren. Ein weiterer Baum fiel um und verfehlte sie nur knapp. Der Boden war schwarz von der Kohle und der rauch stieg Florence in Mund und Nase. Das Atmen fiel ihr schwer und sie musste husten. Sie blieb stehen und riss einen Fetzen Stoff von ihrem Mantel. Sie schlug die darauf brennenden Flammen nieder und band sich das Tuch übers Gesicht. Florence rannte weiter, aber sie konnte nichts sehen. Mehrmals glaubte sie, im Kreis gelaufen zu sein und war fast daran, aufzugeben, als sie plötzlich kühle, frische Luft auf ihrem Gesicht spürte. Sie warf sich in das frische, nasse Gras. Vor ihr stand tatsächlich eine alte Frau, die mit den Händen wild gestikulierend Wasser aus dem Boden zog und damit das Feuer am Waldrand aufhielt. Florence sah nur die aufgerissenen, Alten Lederstiefel und den Saum ihres braunen Rockes, der dreckig und faltig, wie Lumpen von ihrer Taille fiel. Doch als sie nach oben blickte, sah sie in ein wohl bekanntes Gesicht. Die Frau blickte nicht in Florence Gesicht sondern formte weiter große Wasserpeitschen, mit denen sie den Waldrand bearbeitete. „Schön, dich wieder zu sehen, Florence.“, sagte sie. Florence konnte nicht fassen, wen sie da sah. Vollkommen aus der Fassung klappte ihr Unterkiefer nach unten und sie vergaß die Schmerzen für einen kurzen Moment. „Lyréssa!“




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